Lübeck

Konzept

 

(Stand Februar 2013)

 

Die Kindertagesstätte

 

des Arbeiter-Samariter-Bundes

 

im Gewerbegebiet Genin in Lübeck

 

 

Inhalt 

 



1. Die Einrichtung

Die Gewerbezwerge entstanden nach einer Bedarfsumfrage des ASB bei den ansässigen Firmen im Stadtteil Genin.
Zum 1. Februar 2011 eröffnete die Kindertagesstätte in der Borsigstraße 2. Auf einem 1514 m² großen Gelände befindet sich eine 404 m² große Einrichtung mit einer Krippe für 10 Kinder von 0 bis 3 Jahren und einer Elementargruppe für 20 bis 22 Kinder von 3 bis 6 Jahren.
Zum 1. Februar 2013 wurden zwei neu angebaute Gruppen eröffnet, eine weitere Krippengruppe für 10 Kinder von 0 bis 3 Jahren und einer altersgemischten Gruppe für 15 Kinder von 0 bis 6 Jahren.

Unsere Öffnungszeiten orientieren sich am erhöhten Betreuungsbedarf der Eltern, die im Gewerbegebiet tätig sind. Die Gewerbezwerge öffnen morgens um 5.45 Uhr und bieten eine Betreuungszeit bis 17.15 Uhr.
Die Schließungszeit beschränkt sich auf die mittleren zwei Wochen der Schul-Sommerferien des Landes Schleswig-Holstein.

 

 

2. Gesetzliche Grundlagen

  1. KiTaG (12. Dezember 1991, zuletzt geändert durch Gesetz vom 18. Juli 2000). Der gesetzliche Auftrag legt in § 4 fest, dass Kindertagesstätten einen eigenen Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsauftrag haben: „Dabei ist die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu unterstützen und das leibliche, seelische und geistige Wohl des Kindes zu fördern.“
  2. Sozialgesetzbuch -VIII. Buch -(SGB VIII) - Kinder und Jugendhilfe (vom 08.12.1998)
  3. Landesverordnung über die Mindestvoraussetzung für die Einrichtung und den Betrieb von Kindertageseinrichtungen, Verordnung für Kindertageseinrichtungen (KiTaVO vom 13.11.1992).
  4. Umsetzung der gesetzlichen Bestimmungen zum Kinder- und Jugendhilfeweiterentwlicklungsgesetz (KICK) § 8a und des Kinderschutzgesetzes des Landes Schleswig-Holstein


Darüber hinaus legt die UN Charta von 1990 für alle Kinder fest:

  • das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht;
  • das Recht auf einen Namen und eineStaatszugehörigkeit;
  • das Recht auf Gesundheit;
  • das Recht auf Bildung und Ausbildung;
  • das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung;
  • das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln;
  • das Recht auf eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens;
  • das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung;
  • das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause;
  • das Recht auf Betreuung bei Behinderung 

 

3. Die Pädagogik


3.1 Unsere Sicht des Kindes

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen sondern kleine Menschen mit ganz besonderen Bedürfnissen. Um eine gesunde Entwicklung zu fördern, orientieren wir uns an den 16 seelischen Grundbedürfnissen nach Dr. Armin Krenz:

Zeit braucht jeder Mensch, um sich selbst und seine Umgebung wahrzunehmen, um dies zu verarbeiten. Wir hetzen dich nicht.

Liebe und Zuneigung stehen dir zu, ohne dass daran Bedingungen geknüpft sind.

Intimität und Geheimnisse: Jedes Kind darf etwas für sich behalten, muß nicht über alles Rechenschaft ablegen. Es darf selbst darüber entscheiden, wieviel es von sich Preis gibt – jedem Menschen gegenüber.

Respekt und Achtung: Wir achten und respektieren jedes Kind wie es ist, jedes Kind ist gleich wertvoll.

Mitsprache: Ein Kind darf mitsprechen und seine Meinung haben und äußern. (Das heißt nicht, ein Kind darf alles bestimmen!)

Sexualität: Ich bin ein Junge, ich bin ein Mädchen – und das ist gut so.

Neugierde ist Kindern angeboren und die Basis dafür, dass sie lernen wollen und können.

Optimismus: Wir alle sind in der Lage, Dinge zu bewegen. Es ist gut, auf der Welt zu sein.

Ruhe ist nötig um Entwicklungsvorgänge zu unterscheiden und festzulegen.

Bewegung baut Streß ab und ist die Grundbedingung dafür, dass neue Reize und Erfahrungen verarbeitet werden können.

Gewaltfreiheit: Körperlich, sprachlich und auch seelisch – nur so kann das Kind sich angstfrei auf Neues einlassen und auch lernen.

Vertrauen: Wir vertrauen dir und deinen Fähigkeiten, trauen dir zu, Dinge zu tun.

Verstanden werden: Deine Kinderwelt ist anders als unsere Erwachsenenwelt, wir verstehen, dass dir andere Dinge wichtig sind.

Sicherheit: Es gbt keine Gefahren, die du fürchten musst. Du darfst dich in Sicherheit entwickeln.

Gefühle: Wir kennen auch diese Gefühle von Wut, Trauer, Freude und Angst. Jeder kennt sie und sie gehören zum Leben, sie sind erlaubt.

Erfahrungsräume sind nötig um sich selbst und die Umwelt auszuprobieren.

 


3.2 Das Spiel

 

Das kindliche Spiel ist die Grundlage der Persönlichkeits- und Lernentwicklung des Kindes im Kindergarten. Im selbstbestimmten Spiel der Kinder wird die Wirklichkeit der Kinder erbaut und nachgebaut, werden soziale Beziehungen konstruiert. Für Kinder gibt es immer einen Sinn mit dem Spiel und seinen Inhalten. Sie gebrauchen ihre Fantasie um die Welt in ihrem Spiel zu gestalten und nur die Handlung selbst ist wichtig, nicht das Ergebnis.

Genau das macht die bildenden Elemente des Spieles aus. Spielen ist Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichen Krafteinsatz. Es ist ganzheitliches Lernen, weil es die ganze Persönlichkeit fördert und fordert.¹


Es gibt 16 verschiedene Formen des Spieles und wir wollen den Kindern die Möglichkeit geben, in unserem Kindergarten alle zu erproben:

 

  • Bauspiel
  • Fingerspiel
  • gruppendynamisches Spiel
  • Märchenspiel
  • Theaterspiel
  • Rollenspiel
  • Freispiel
  • Agressionspiel zum Austoben
  • Sozialregelspiel
  • Schattenspiel
  • Handpuppen/Marionettenspiel
  • Musikspiel
  • Bewegungsspiel
  • Produktionsspiele zum Gestalten
  • Konstruktionsspiel
  • Entdeckungsspiel



(1) vgl. Berliner Bildungsprogramm 2004

Je mehr unterschiedliche Spielformen die Kinder kennen und nutzen, umso größer ist ihr Spiel- und damit auch ihr Lernpotential.

Hedi Friedrich¹ spricht beim Spiel von einer Grundbedingung für alle Lern- und Bildungsprozesse, die kein noch so gutes Lernprogramm bieten kann. Dr. Gebauer² stellt fest, dass das ausgiebige Spiel in der Kindheit die Grundlage für Motivation, Konzentration und Lernfreude bildet.


Für Eltern ist es wichtig zu wissen, dass nicht alle Kinder gleich spielen. Allein schon vom Alter her gibt es deutliche Unterschiede. So durchleben Kinder verschiedene Entwicklungsphasen und sind erst ab etwa 3 Jahren überhaupt in der Lage, mit anderen zusammen zu spielen.

 

Der Weg geht vom

  • Alleinspiel mit sich und dem Material


über das


  • Parallelspiel – ich spiel hier und du spielst da, vielleicht guck ich mal, vielleicht will ich das haben, was du hast –


zum 


  • gemeinsamen Spiel.

 

(1)Diplompsychologin aus Frankfurt, Autorin z.B. von "Beziehungen zu Kindern gestalten", "Auf Kinder hören, mit Kindern reden"

(2) Dr. phil. Karl Gebauer, Autor z.B. von "Klug wird niemand von allein", "Kinder brauchen Spielräume"


3.3 Der Alltag

Unser Tag gestaltet sich folgendermaßen: (Uhrzeiten noch unverbindlich, werden sich erst in der Praxis festlegen lassen können)

  • 1. Ankommen – schön dass du da bist!

Die Kinder werden von den Eltern in ihre Gruppe gebracht und an die pädagogischen Fachkräfte übergeben. Die Mitarbeiter nehmen das Kind in Empfang. Alle Beteiligten – Kind, Eltern und Mitarbeiter – sollen das Gefühl haben, persönlich beachtet zu werden und willkommen zu sein. 

  • 2. Morgenkreis – gemeinsam als Gruppe den Tag beginnen

Nach dem Frühstück findet sich die Gruppe zum Morgenkreis zusammen. Hier wird noch einmal jeder wahrgenommen der da ist, festgestellt wer fehlt, und warum.
In der Krippe gestaltet sich der Kreis hauptsächlich durch Lieder, Fingerspiele, kleine Geschichten, kurze Gruppenspiele und Ähnliches.
In der Elementargruppe sind die Aktivitäten schon umfangreicher, dazu kommen Gesprächsrunden über Erlebnisse des Vortages oder Wochenendes, Berichte über Träume, Planungen für den Tag. Die altersgemischte Gruppe passt sich den Möglichkeiten der Kinder an und gestaltete den Morgenkreis entsprechend.

  • 3. Frühstück für alle

 Von 8.15 bis 8.45 Uhr frühstücken wir gemeinsam in den Gruppen. Die Kinder und die Mitarbeiter bringen ihre Brotdosen an den Tisch. Wir legen Wert auf eine gesunde Ernährung, darum sind Sachen wie Schokoaufstriche und süße Riegel nicht dabei. Für die Kinder, die bereits sehr früh in den Kindergarten kommen, gibt es schon früher eine Möglichkeit, ein erstes kleines Frühstück einzunehmen.

 Kinder, die später gebracht werden und darum am Frühstück nicht teilnehmen, müssen zu Hause bereits ein Frühstück bekommen.

In der Elementargruppe gibt es beim Frühstück eine Besonderheit: Wer zuviel dabei hat oder sein Essen nicht essen möchte, legt es in die Mitte auf ein Tablett. So entsteht ein Buffet aus dem sich jeder bedienen kann. Damit sorgt jedes Kind für sein eigenes Wohl und mit dem, was es zuviel hat, auch für die Gemeinschaft. Die Erwachsenen achten darauf, dass jedes Kind sich zuerst am eigenen Essen selbst richtig sättigt.

  • 4. Mittagessen für alle

 In den Gruppen essen alle gemeinsam an ein oder zwei Tischen. Die Kinder sind am Aufdecken beteiligt. Täglich neu entscheidet sich jedes Kind, wo und neben wem es sitzen möchte. Nach einem gemeinsamen Tischspruch beginnt die Mahlzeit. Hierbei legen wir in beiden Gruppen viel Wert auf größtmögliche Selbständigkeit. Die Kinder lernen, Mengen abzuschätzen beim Auffüllen, verschiedene Dinge, die sie vielleicht noch nicht kennen, zu probieren und sich gegenseitig Schüsseln anzureichen. Die Erwachsenen nehmen am Essen teil und leisten eine Vorbildfunktion in Bezug auf die Neugier und Bereitschaft, neue Dinge zu probieren und in Bezug auf Tischmanieren.

Je nach Bedarf der unterschiedlichen Altersstruktur der beiden Gruppen wird in beiden Gruppen gleichzeitig oder in der Krippe früher gegessen.

  • 5. Schlaf und Ruhe

Nach dem Essen und Zähneputzen werden alle Kinder, die einen Mittagsschlaf benötigen, zu Bett gebracht. In der Krippe begleitet eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter die Schlafzeit im Schlafraum.

In der Elementargruppe findet im Nebenraum eine Ruhezeit statt. Hier werden Bilderbücher oder über mehrere Tage sogar ganze Bücher vorgelesen.

Kinder mit Bewegungsdrang, die mit einer Ruhephase überfordert sind, haben im Gruppenraum oder im Bewegungsraum die Möglichkeit unter pädagogischer Begleitung zu spielen, zu toben, zu bauen oder zu werken.

  •  6. Vor dem Nachmittagsimbiss finden sich die Kinder in der Elementargruppe erneut zu einem Kreis zusammen.

Mit vorgelesenen Geschichten oder kleinen Entspannungsspielen finden die Kinder noch einmal einen Ruhepunkt, nehmen sich als Gruppe wahr, können bei Bedarf noch nicht verarbeitete Konflikte des Tages nachbearbeiten.

  • 7. Nachmittagsimbiss – wir haben schon wieder Hunger!

Ein Tag bei den Gewerbezwergen kann lang sein. Darum finden wir uns nachmittags noch einmal zusammen und essen gemeinsam eine Kleinigkeit. Hierzu gibt es täglich Obst, ergänzt von einer Milchspeise die ohne Zucker zubereitet wird oder Butterbroten – da der Tag für einige Kinder lang ist, soll dieser Nachmittagsimbiss sättigend sein.
Für die bis zum Ende bleibenden Kinder gibt es am späten Nachmittag noch eine zweite Gelegenheit, etwas gegen den erneut aufkommenden Hunger zu tun.

Projektzeiten und feste Angebote:
Zwischen diesen festen Strukturen finden die Kinder Zeit, ihre eigenen Interessen zu entwickeln und ihnen nachzugehen. Das Team bietet aufgrund gemachter Beobachtungen gezielt Aktivitäten an, die die Themen aufgreifen mit welchen die Kinder sich aktuell beschäftigen. Hier können langfristige Projekte verfolgt werden, die ein Grundthema in vielen verschiedenen Lebens- und Bildungsbereichen aufgreifen, bearbeiten und vertiefen.

Zweimal wöchentlich turnen die Kinder der Elementargruppe gemeinsam mit den über 3jährigen der altersgemischten Gruppe in der Bewegungshalle. Hierbei werden alle Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt, nach Alter und Entwicklungsstand. Diese Turnstunden gestalten sich durch Begrüßungs- und Abschiedslieder, Entspannungseinheiten, angeleitetem Turnen sowie einer Freispielphase zum Austoben.

Jede Woche findet ein Ausflug statt, ebenfalls gruppenübergreifend für alle Kinder ab 3 Jahren. Unsere Ziele sind: Der Spielplatz in der Possehlstraße, der Garten des BUND an der Kronsforder Allee, das Theater „die Röhre" in der Altstadt.

Der Alltag
Zum Alltag gehören auch Dinge wie Tisch decken und abdecken, die Spülmaschine füllen, Handtücher einsammeln und in die Waschmaschine tun, später aufhängen, abnehmen, zusammenlegen und wegräumen. Ebenso gehört dazu, aufzuräumen, den Gruppenraum oder vielleicht den Eingang zu fegen, neue Flaschen aus dem Vorratsraum zu holen oder leere hin zu bringen. Auch können Obst und Rohkost geschnitten werden oder vielleicht steht ein Einkauf an im Baumarkt oder dem davor stehenden Obststand. Regelmäßig einmal die Woche gehen vier oder auch alle Kinder mit einem Erwachsenen den Kindergartenbedarf im Lebensmittelladen einkaufen. Zum Beispiel bieten die wöchentlich benötigten etwa 16 Liter Milch die Gelegenheit zum Zählen, Rechnen, Mengen erfassen, Gewicht wahrnehmen.
An all diesen Dingen wollen wir die Kinder beteiligen, es mit ihnen gemeinsam tun. So erleben sie sich als Teil der Gemeinschaft, erleben Verantwortung und dass wir ihnen etwas zutrauen.

 

 

3.4 Beobachtungen


Grundlage guter pädagogischer Arbeit ist die Beobachtung. Um einem Kind gerecht zu werden, ihm gezielt die Angebote zu machen, die es in seiner momentanen Lebensssituation benötigt, müssen wir wissen, was es beschäftigt.

Es gibt sechs Ausdrucksformen:

 

Malen/Zeichnen

Träume

Verhalten

Spiel

Bewegung

Sprache/Sprechen

 

In all diesen Bereichen machen wir zu jedem Kind schriftliche Beobachtungen. Diese werden im Team ausgewertet, so entstehen umfassende Bilder eines jeden einzelnen Kindes. Diese ermöglichen uns, individuell auf seine Persönlichkeit einzugehen. Und wir erhalten einen Überblick, was die Gruppe insgesamt bewegt und können so langfristige Projekte entwickeln in die alle Bildungsbereiche einbezogen werden.

 

4. Die Eingewöhnung

Wir nehmen bevorzugt im Laufe des Jahres neue Kinder auf, sobald ein Platz frei wird. Gerne ermöglichen wir einige Besuche der Kita vor dem eigentlichen Beginn der Kindergartenzeit. Hierzu sprechen die Gruppenleitungen und die Eltern individuell einige passende Termine ab, damit Kind und Eltern die Räumlichkeiten, die Gepflogenheiten, die anderen Kinder und Mitarbeiter bereits im Vorfeld etwas kennenlernen können.
Unser Wunsch ist eine sehr individuelle Eingewöhnung. Das bedeutet: Die Eltern sollten in der Einrichtung anwesend sein, solange das Kind sie benötigt – und dies ist von Kind zu Kind manchmal sehr unterschiedlich.
Wir steigern von der Anwesenheit in der Gruppe über die Anwesenheit in unserem Elternzimmer bis zur telefonischen Erreichbarkeit.
Diese Vorgehensweise versuchen wir - in Absprache mit Eltern und nach deren Bedürfnissen und persönlichen Möglichkeiten - umzusetzen.
An den Morgenkreisen in den Gruppen nehmen diese Kinder erst teil, wenn sie bereit sind, sich auf die Gesamtgruppe einzulassen und sich von den Eltern verabschieden können. Durch die Sicherheit dass die Eltern noch im Hause sind, geht dies in der Regel sehr schnell.

Die ersten Tage sollten die Kinder mit ihren Eltern zusammen für ein paar Stunden in die Einrichtung kommen. Die Mitarbeiter werden individuell auf das Kind eingehen, ihm seine Zeit lassen, sich einzufinden und damit beginnen, eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen um es später in die Gesamtgruppe begleiten zu können. Basis hierfür ist das Vertrauen der Eltern in die Mitarbeiter sowie zum eigenen Kind. Denn die Kinder spüren eine Unsicherheit seitens der Eltern und werden dadurch ebenfalls verunsichert.

Die Eltern bekommen ab Beginn der täglichen Eingewöhnung die Rolle des „sicheren Hafens". Das heißt, sie sind einfach nur anwesend und vermitteln dem Kind Zuversicht, so dass sich das Kind traut, seine Umgebung zu erkunden. Die Eltern sollen das Kind nicht "bespielen" wie noch zuvor in den Spielkreisen sondern es zur Kontaktaufnahme mit anderen ermutigen.
Ist das Vertrauen zu uns aufgebaut, können sich die Eltern langsam zurückziehen. Es ist wichtig, dies dem Kind immer mitzuteilen. So können dann nach und nach die Zeiten der Betreuung des Kindes verlängert werden.

Wichtig bei der Verabschiedung: Eine kurze Abschiedsszene erleichtert dem Kind die Trennung, ein längeres Hin und Her verunsichert es. Selbst wenn es einmal zu Tränen kommt, sollte der Abschied kurz gehalten werden. Hier darf auf die pädagogische Kompetenz der Pädagogen vertraut werden. Es zeugt von einer gesunden, sicheren Bindung an die Mutter/den Vater, wenn das Kind auf deren Fortgang traurig reagiert - wenn es sich dann von uns trösten lässt, ist das wiederum ein Zeichen dafür, dass es zu uns ebenfalls eine Bindung eingegangen ist. Und selbstverständlich sind und bleiben die Eltern immer die allerwichtigsten Bindungspersonen, da ist es nicht verwunderlich, wenn das Kind auf deren Fortgang unglücklich reagiert.

Die meisten Kinder beruhigen sich schnell. Wir lassen keine Kinder unnötig leiden und benachrichtigen die Eltern umgehend, wenn wir merken, dass das Kind der Trennung noch nicht gewachsen ist. Ebenso dürfen die Eltern wenn sie unsicher sind, zu ihrer Beruhigung später gern noch mal telefonisch nachfragen, wie es ihrem Kind inzwischen geht.

Voraussetzung für eine möglichst einfache Eingewöhnung ist eine gute Kommunikation zwischen den Eltern und den Mitarbeitern. Je mehr wir über das Kind wissen, seine Vorlieben, seine Eigenheiten, aber auch über die Eltern, deren Bedürfnisse und Erwartungen, umso eher können wir auf beide eingehen. Ebenso freuen wir uns über all Ihre Fragen und mitgeteilten Sorgen oder Unsicherheiten!

 

5. Elternmitarbeit

Eltern als Fachleute für ihr eigenes Kind sind ein wesentlicher Bestandteil der Kindertagesstätte. Sie versorgen das Team mit wichtigen Informationen über die Lebensgeschichte und die Persönlichkeit des Kindes. Vor dem eigentlichen Betreuungsbeginn führen Gruppenerzieher und Eltern ein Gespräch um die gegenseitigen Wünsche und Erwartungen in Einklang zu bringen.
Darüber hinaus bereichern sie das Kindergartenleben durch Vorschläge und Ideen, Teilnahme und Mitwirkung bei Elternabenden, der jährlich stattfindenden Elternversammlung und dem Elternbeirat.
Auch gegenüber der Stadt und dem Land können Eltern aktiv werden um die Interessen der Kinder und des Kindergartens zu vertreten. Aktive Eltern können viel in Bewegung bringen, wovon die Kinder und auch die Mitarbeiter der Kita profitieren.

 

6. Ernährung

"Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen"

Der verantwortliche Umgang mit der Ernährung der Kinder wird bereits in den Bildungsleitlinien des Landes Schleswig-Holstein festgelegt. "....Mahlzeiten als lustvolles und soziales Geschehen gestalten" "...Essen und Trinken begegnen Kindern sowohl als Aspekt der Gesundheitsvorsorge als auch der Kultur...."

Das Ernährungsverhalten eines Menschen wird in den ersten Lebensjahren grundlegend erlernt und geprägt. Die Chance, dass Kinder ein gesundes Essverhalten erlernen, ist nie wieder so groß wie in den ersten Lebensjahren.

Um den Kindern die besten Voraussetzungen zu schaffen, wollen wir im Kindergarten unser Augenmerk auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung legen.
Durch Geburtstage und Feiern im Kindergarten haben wir durchschnittlich alle zwei Wochen etwas Süßes wie Kuchen oder Kekse auf dem Tisch – was darüberhinaus geht, soll zu Hause und in der Hand der Eltern liegen.

Seit Anfang 2013 sind wir Teilnehmer beim deutschlandweiten Projekt "Tigerkids" der Stiftung Kindergesundheit in Kooperation mit der AOK.. Das Zusammenwirken von Ernährung, Bewegung und Entspannung ist Inhalt dieses Projektes; ebenso wie das Zusammenwirken von Elternhaus, Kindertagesstätte und den einzelnen Kindern.

Nur gemeinschaftlich, Eltern, Kinder und Kita, kann es gelingen, Kindern eine Alternative zu den heutzutage häufig ungünstigen Ernährungsgewohnheiten aufzuzeigen.

Mehr Informationen im Internet unter www.tigerkids.de

 

7. Partizipation

 

Unsere Kinder verbringen sehr viel Zeit in der Kita, wenn wir die Schlafzeiten ausnehmen, sogar teilweise mehr als zuhause.
Die Struktur einer Kindergruppe im Kindergarten bietet sich an, Kindern Mitbestimmung und Teilhabe zu ermöglichen und sie als Selbstverständlichkeit kennenzulernen.

Hierbei ist wichtig, nicht nur das Bestimmen sondern auch das Erleben eines Mehrheitsbeschlusses kennenzulernen.

Je nach Gruppenform und Alter der Kinder beginnt die Mitbestimmung bei der Wahl der täglichen Angebote, der Spielpartner, welches Lied und welches Spiel im Morgenkreis gewählt wird und jedes Kind bestimmt für sich, ob es sich äußern möchte oder nicht.
Gemeinsam werden die Gruppenregeln erstellt, der Nutzung und Gestaltung der Innenräume und des Außengeländes bestimmt; die Wahl der Medien liegt bei den Kindern (z.B. welches Buch vorgelesen wird oder ob stattdessen eine Stehgreifgeschichte nach den Vorgaben der Kinder entsteht). Die Planung der täglichen Angebote, die Planung der Ausflugsziele, die Auswahl was am Kochtag zubereitet wird sowie die inhaltliche Gestaltung der besonderen Angebote im letzten Jahr vor der Einschulung wird maßgeblich von den Kindern bestimmt.

Eine Möglichkeit ist das Instrument der Abstimmung: hier werden Dinge mehrheitlich bestimmt und Kinder lernen neben der Instrumentarien auch das Aushalten des Ergebnisses kennen; wenn sie zum Beispiel mit ihren Vorschlägen und Wünschen in der Minderheit sind und die Dinge stattfinden, die die Mehrheit beschlossen hat.
In den Krippen sind beispielsweise Kinderlieder als Bild auf einer Karte abgebildet und die Kleinen wählen aus den ausliegenden Karten ihr Lied des Tages aus.

Folgende Dinge müssen den Kindern ermöglicht werden:
Freie Meinungsäußerung
Freies Reden vor anderen
Lernen, zuzuhören wenn andere Vorschläge einbringen
Informationen zu erlangen
Überblick über die zur Wahl stehenden Möglichkeiten (z.B. durch Bildpräsentationen)
Vielleicht sogar überzeugen und/oder überzeugt werden
Kompromisse auszuhandeln
Möglichkeiten der Abstimmung
Akzeptanz des Beschlusses wenn er dem eigenen Wunsch nicht entspricht

Durch unsere Konzeption sind die Kinder an vielen alltäglichen Dingen ganz selbstverständlich mitverantwortlich beteiligt. Projekte entstehen aus den Wortäußerungen der Kinder, z.B. aus den täglichen Morgenkreisen oder aus den nonverbalen Äußerungen die in Beobachtungen festgehalten werden.

Diese Bereiche der Partizipation werden sowohl durch die in der Einrichtung ausliegende und auf der Homepage des ASB veröffentlichte Konzeption allen Interessierten zugänglich gemacht wie auch in der Kita selbst bei den Aufnahmegesprächen mit den Eltern besprochen. Die Kinder erleben ihre Beteiligungsrechte im Alltag, regelmäßig als Gesamtgruppe in den Morgenkreisen oder auch akut einzeln oder in kleineren Gruppen in dem Moment, wo eine Entscheidung ansteht.

Beschwerden
In unserer Kindertagesstätte herrscht eine sehr offene Beschwerdekultur. Bei Unzufriedenheiten erleben die Kinder, dass sie sich den Mitarbeitern anvertrauen können und sich sicher sein dürfen, ernst genommen zu werden und mit ihrem Anliegen Hilfestellung zu erfahren. Ob es um eine Uneinigkeit mit einem anderen Kind oder mit einem Mitarbeiter geht, neben dem wertfreien Zuhören erleben die Kinder auch in jedem Fall Hilfe und Unterstützung beim Lösen ihres Problemes. Sie wählen selbst, an welchen Erwachsenen sie sich mit der Bitte um Unterstützung wenden, dies schließt auch Mitarbeiter anderer Gruppen und die Leitung mit ein. Wer eine Beschwerde annimmt, ist dafür verantwortlich sie zu bearbeiten und dem Kind das Ergebnis mitzuteilen. Dabei gibt es sowohl die Möglichkeit, ein Gespräch zu dritt zu moderieren, wie auch sich zum Anwalt des Kindes zu machen – ebenso gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dem Kind zu erklären warum das, womit es unzufrieden ist, trotzdem so und nicht anders sein kann.

Diese Möglichkeiten werden den Kindern sowohl von anderen Kindern vorgelebt wie auch in den Gesprächskreisen vorgestellt und angeboten, die Kinder werden ausdrücklich eingeladen, davon Gebrauch zu machen. Jede/r Mitarbeiter/in ist sich der Verantwortung bewusst, mit diesen Anliegen ernstnehmend und wertschätzend umzugehen.

In den 14tägigen Teamgesprächen werden Beschwerden den anderen Mitarbeitern vorgestellt und gemeinsam das Verhalten aller Beteiligten reflektiert. Somit verfügen wir in den Teamprotokollen über eine fortlaufende Dokumentation.

 

 8. § 8a SGB VIII, das Kindeswohl

Uns allen, Eltern wie Mitarbeitern, liegt in erster Linie das Kindeswohl am Herzen. Die Gesellschaft ist heutzutage aufmerksamer geworden und wir sind gesetzlich dazu verpflichtet, bei Anzeichen für Kindeswohlgefährdung aktiv tätig zu werden.
Darunter sind massive Gefährdungen von Kindern zu verstehen, die auch durch kooperative Gespräche mit den Erziehungsberechtigten nicht zu ändern sind. Falls es tatsächlich einmal so sein sollte, stehen uns durch die Mitgliedschaft beim Dachverband der freien Träger e.V. Lübeck Fachkräfte von Sprungtuch e.V. zur Verfügung, die uns mit ihrem Fachwissen unterstützen um den Familien die bestmögliche Unterstützung geben zu können.

 

9. Beschwerdemanagement

Jeder pädagogische Mitarbeiter der Kindertagesstätte ist Ansprechpartner für Ideen, Anregungen und auch Beschwerden der Eltern. Sollten Sie einmal Grund zu einer Beschwerde haben, dürfen Sie von Folgendem ausgehen:

  • Jede Beschwerde wird ernst genommen

  • Jede Beschwerde wird weitergeleitet wenn sie nicht direkt bei der zuständigen Person angebracht werden kann

  • Es gibt eine direkte Rückmeldung

  • Über den Stand der Bearbeitung der Beschwerde werden Sie informiert

  • Über das Ergebnis, sobald es vorliegt, selbstverständlich auch

  • Die Leitung ist jederzeit für Beschwerden und Anfragen jedweder Art verfügbar

  • Eine Selbstverständlichkeit, die trotzdem noch einmal erwähnt werden soll: Bei Uneinigkeiten zwischen Eltern und Mitarbeitern sind die Kinder davon völlig ausgenommen

  • Sollten Sie das Gefühl haben, bei den Mitarbeitern der Kita nicht ausreichend Gehör zu finden, bietet der Elternrat Unterstützung an

 

10. Gewerbezwerge überall

 

Wir sind keine Insel. Unsere Kinder wohnen in verschiedensten Stadtteilen und wir wollen viele Kontakte auch ausserhalb unserer Einrichtung knüpfen.

Wir kooperieren mit den umliegenden Grundschulen um den Kindergartenkindern den Übergang vom Kindergarten in die Schule möglichst einfach und angenehm zu zu machen.

Wir arbeiten mit zwei Praxen für Ergotherapie zusammen. Sie bieten für Kinder mit Ergotherapiebedarf an, die Stunden in unserer Einrichtung durchzuführen. So bleiben die Kinder in vertrauter Umgebung, die Eltern müssen nicht nach der Arbeit noch mit dem Kind zur Therapie und zurück. Das Konzept beider Praxen, die Stärken zu stärken um die Schwächen zu schwächen und das Konzept der Gewerbezwerge passen besonders gut zusammen.

Die mobile Frühförderung Lübeck arbeitet ebenfalls mit den zu fördernden Kindern bei uns in der Einrichtung. Je nach Kind und Situation ist es manchmal sogar förderlich, ein oder zwei weitere Kinder an diesen Stunden teilhaben zu lassen.

Über den DLRG erhalten wir von einer besonderen Kindergartenteamerin zweimal jährlich Besuch. Sie klärt die Kinder auf kindgerechte Weise über mögliche Gefahren von Eisflächen im Winter auf sowie darüber, was beim Schwimmengehen alles zu mehr Sicherheit beiträgt.

Mit der ASJ (Arbeiter-Samariter-Jugend) entwickelt sich aktuell eine Vernetzung. Mögliche Ideen der Zusammenarbeit sind im Entstehen und werden sich im Jahr 2013 entwickeln und erproben.

In Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe bieten wir ausgewählten geeigneten Jugendlichen eine Möglichkeit, im Rahmen eines Praktikums die ihnen auferlegten Sozialstunden zu erfüllen. Oftmals ist die völlig vorurteilsfreie Sympathie der Kinder ein sehr beeindruckendes Erlebnis für diese jungen Erwachsenen, nicht selten werden hierdurch positive Entwicklungen in Gang gesetzt.

Mitgliedschaften:

Dachverband freier Träger e.V.

Alles Gute für Genin e.V.

DPWV (Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband)

 

11. Warum ist diese Kindertagesstätte so und nicht anders?

 

Warum tun wir was wir tun und was wollen wir damit erreichen?

Wir möchten allen Kindern ein umfangreiches Rüstzeug für ihr Leben mitgeben. Dazu gehört das Wissen, richtig zu sein, etwas bewirken zu können, Freude am Entdecken und Lernen zu besitzen, bei Anerkennung und Förderung aller Ressourcen eine Persönlichkeit entwickeln zu können welche ihrer selbst sicher ist und wir wollen ermöglichen dass jedes Kind Selbstwirksamkeitsüberzeugung besitzt.

Anders ausgedrückt, was wollen wir verhindern:

- dass Kinder sich Sorgen machen um ihre Rolle in der Gruppe und der Gesellschaft, ob sie geliebt werden, akzeptiert werden.

- dass Kinder daran zweifeln, etwas bewirken zu können, sich machtlos fühlen (fehlende Selbstwirksamkeitsüberzeugung)

- dass Kinder so mit ihren Ängsten und Sorgen beschäftigt sind, dass sie sich nicht entwickeln können, nicht lernen können

Um diesen Anspruch an unsere Konzeption qualitativ festzuschreiben und immer wieder zu überprüfen, nehmen wir ab Sommer 2013 an der Lernorientierten Qualitätstestierung für Kindertagesstätten (LQK®)der ArtSet Forschung, Bildung, Beratung GmbH beim Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband teil.

Desweiteren beschäftigen wir uns mit aktuellen Forschungsergebnissen. Vor 20 Jahren gelehrte Entwicklungsphasen nach Piaget sind inzwischen überholt und widerlegt, es gibt viele Untersuchungen und Erkenntnisse aus der Bindungs-, Hirn- und Entwicklungsforschung die dazu führten, dass unser Konzept so ist, wie es ist.

Einige Namen und Fachgebiete seien im Folgenden beispielhaft aufgeführt:

Entwicklungsspsychologie: Prof. Dr. R. Oerter / Prof. Dr. R. Largo / Prof. Dr. G. Mietzel / Prof. Dr. H. Keller

Bildungsforschung: Prof Dr. G. Schäfer / Prof. Dr. R. Tippelt / Prof. Dr. M. Hasselhorn / Prof Dr. J. Leu / Prof. Dr. L. Liegle

Neurobiologie: Prof. Dr. G. Hüther / Prof. Dr. M. Spitzer

Bindungsforschung: Prof. Dr. M. Farell Erickson / Prof. Dr. B. Egeland / Prof. Dr. K.-H. Brisch / Prof. Dr. K. und K. Grossmann

Daraus folgt auch, dass unser Konzept nicht für die nächsten Jahrzehnte feststeht. Wie die Gesellschaft und die Forschung Wandlungen vollziehen, so werden auch wir und das Konzept sich mit der Zeit verändern.

Die Grundsätze werden aber wird immer gleich bleiben:

  • jedes Kind hat ein Recht auf Wertschätzung und Zuneigung, so wie es ist!

  • jedes Kind hat ein Recht auf Förderung seiner Ressourcen

  • jedes Kind hat das Recht zu einem selbstverantwortlichen, selbstbewußten Menschen heranzureifen